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Bereinigter Gender Pay Gap — Definition, Berechnung & rechtliche Bedeutung

Der bereinigte Gender Pay Gap in Deutschland beträgt ca. 6% (Statistisches Bundesamt, 2025). Er misst, was Frauen bei gleicher Arbeit, gleicher Qualifikation und gleicher Arbeitszeit weniger verdienen als Männer. Ab dem 7. Juni 2026 wird dieser Wert für Arbeitgeber zum entscheidenden Compliance-Maßstab: Liegt er über 5%, drohen Pflicht-Audits und Sanktionen.

16%
Unbereinigter GPG
Vergleicht alle Bruttostundenlöhne von Männern und Frauen — ohne Berücksichtigung von Beruf, Branche, Qualifikation oder Arbeitszeit.
~6%
Bereinigter GPG
Misst den Gehaltsunterschied bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Arbeitszeit — der „reine“ Diskriminierungsindikator.

Wie wird der bereinigte Gender Pay Gap berechnet?

1. Ausgangspunkt: Unbereinigter GPG

Der unbereinigte GPG (16%) ist der Bruttolohnunterschied aller Männer und Frauen. Er enthält strukturelle Faktoren wie Branchenwahl, Teilzeit und Hierarchieunterschiede.

2. Regressionsanalyse

Per statistischer Regressionsanalyse werden die Effekte von Branche, Beruf, Qualifikation, Arbeitszeit, Betriebsgröße, Region und Berufserfahrung herausgerechnet.

3. Verbleibender Unterschied

Der verbleibende Unterschied (~6%) kann nicht durch objektive Faktoren erklärt werden. Er gilt als Indikator für mögliche geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung.

4. Rechtliche Relevanz

Ab Juni 2026 ist die 5%-Schwelle entscheidend: Liegt der bereinigte GPG eines Unternehmens darüber, muss es mit dem Betriebsrat eine gemeinsame Entgeltbewertung durchführen (Art. 9 EU-RL 2023/970).

Was erklärt die Differenz zwischen unbereinigtem und bereinigtem GPG?

Der Unterschied von 16% (unbereinigt) zu ~6% (bereinigt) wird durch strukturelle Faktoren erklärt. Diese Faktoren sind jedoch selbst Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheit:

~30%
Branchenwahl
Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen (Pflege, Erziehung, Einzelhandel).
~25%
Teilzeitarbeit
48% der Frauen arbeiten in Teilzeit (vs. 12% der Männer). Teilzeit führt zu niedrigerem Stundenlohn und weniger Aufstiegschancen.
~20%
Hierarchie
Frauen sind in Führungspositionen unterrepräsentiert. Nur 29% der Führungskräfte in Deutschland sind weiblich.
~15%
Berufserfahrung
Karriereunterbrechungen durch Elternzeit und Care-Arbeit reduzieren die anrechenbare Berufserfahrung.
~10%
Region
In Westdeutschland ist der GPG deutlich höher als in Ostdeutschland (BW: 22% vs. Sachsen: 7%).

Rechtliche Bedeutung ab 2026

Für Arbeitgeber: Die 5%-Schwelle

Liegt der bereinigte Gender Pay Gap eines Unternehmens über 5% und kann nicht durch objektive, geschlechtsneutrale Kriterien erklärt werden, ist ab 2026 eine gemeinsame Entgeltbewertung mit dem Betriebsrat Pflicht (Art. 9 Abs. 4 EU-RL 2023/970).

Unternehmen ab 250 Mitarbeitern müssen den bereinigten GPG ab 2027 jährlich berichten. Wird die 5%-Schwelle nicht innerhalb von 6 Monaten geschlossen oder erklärt, drohen Sanktionen und Bußgelder.

Für Arbeitnehmer: Beweislastumkehr

Der bereinigte GPG ist der Anknüpfungspunkt für Equal-Pay-Klagen. Das BAG-Urteil Az. 8 AZR 300/24 vom 23.10.2025 bestätigt: Ein einzelner Paarvergleich reicht aus, um die Vermutung geschlechtsspezifischer Diskriminierung auszulösen. Der Arbeitgeber muss dann beweisen, dass der Unterschied sachlich gerechtfertigt ist.

Betroffene haben Anspruch auf Entschädigung und Nachzahlung für bis zu 3 Jahre rückwirkend (Art. 21 EU-RL 2023/970).

Häufige Fragen zum bereinigten Gender Pay Gap

Der bereinigte Gender Pay Gap misst den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation, Berufserfahrung und Arbeitszeit. In Deutschland beträgt er ca. 6% (Statistisches Bundesamt, 2025). Er isoliert den Anteil der Lohndifferenz, der nicht durch strukturelle Faktoren erklärbar ist.
Der bereinigte GPG wird per Regressionsanalyse berechnet: Vom unbereinigten GPG (16%) werden die Effekte von Branche, Beruf, Qualifikation, Arbeitszeit, Betriebsgröße und Region herausgerechnet. Der verbleibende Unterschied (~6%) gilt als Indikator für mögliche Lohndiskriminierung.
Der unbereinigte GPG (16%) zeigt die gesamtgesellschaftliche Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen. Er macht sichtbar, dass Frauen durch Berufswahl, Teilzeit und Karrierehindernisse insgesamt deutlich weniger verdienen. Die EU-Richtlinie 2023/970 adressiert beide Dimensionen: direkte Diskriminierung und strukturelle Benachteiligung.
Für Arbeitgeber ist der bereinigte GPG entscheidend: Liegt er über 5%, ist ab 2026 eine gemeinsame Entgeltbewertung mit dem Betriebsrat Pflicht (Art. 9 EU-RL 2023/970). Für Arbeitnehmer ist er der Anknüpfungspunkt für Equal-Pay-Klagen — das BAG-Urteil Az. 8 AZR 300/24 bestätigt, dass schon ein Paarvergleich ausreicht.
Der bereinigte GPG ist besonders hoch in Branchen mit hohen variablen Gehaltsbestandteilen: Finanzwesen, Versicherung und Beratung. Dort machen Boni und Provisionen einen großen Teil des Gehalts aus — und genau bei diesen Bestandteilen bestehen die größten geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Verfasst von Fatih Bektas, Fachanwalt für Arbeitsrecht, APOS Legal Heidelberg. Zuletzt aktualisiert: Juni 2026.
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